Donnerstag, 7. April 2011
Donnerstag, 31. März 2011
Über die Geduld
Man muss den Dingen
die eigene, stille
ungestörte Entwicklung lassen,
die tief von innen kommt
und durch nichts gedrängt
oder beschleunigt werden kann,
alles ist austragen – und
dann gebären...
Reifen wie der Baum,
der seine Säfte nicht drängt
und getrost in den Stürmen des Frühlings steht,
ohne Angst,
dass dahinter kein Sommer
kommen könnte.
Er kommt doch!
Aber er kommt nur zu den Geduldigen,
die da sind, als ob die Ewigkeit
vor ihnen läge,
so sorglos, still und weit...
Man muss Geduld haben
Mit dem Ungelösten im Herzen,
und versuchen, die Fragen selber lieb zu haben,
wie verschlossene Stuben,
und wie Bücher, die in einer sehr fremden Sprache
geschrieben sind.
Es handelt sich darum, alles zu leben.
Wenn man die Fragen lebt, lebt man vielleicht allmählich,
ohne es zu merken,
eines fremden Tages
in die Antworten hinein.
(Rainer Maria Rilke)
Freitag, 16. April 2010
Es ist Frühling, und ich bin verliebt.
Unsere erste Begegnung vor vier Jahren bestand aus schlaflosen Nächten, wortkargen Frühstücken und tränenreichen Nachmittagen.
Ich habe den Blockbuster-Videoverleih besser kennen gelernt als Dich. Aus den aufregenden fremden Köstlichkeiten, auf die ich mich so gefreut hatte, sind Thai-Gerichte in Schachteln geworden, die ein Mann mit Schirmmütze vorbeibrachte.
Unsere Entdeckungsreisen fanden in der Mall statt und dauerten meist nicht lange. Zurück kamen wir nicht mit windzerzausten Haaren und neuen Bildern im Kopf, sondern nur mit Tüten voller Essen.
Obwohl ich ganz in Deiner Nähe war, konnte ich Dich nur selten erreichen. Ich habe mich eingesperrt gefühlt, obwohl ich wusste, dass die ganze Welt da draußen vor mir liegt. So war das mit uns.
Unsere kurze Episode fand in einem unserer dunkelsten Momente statt. Dennoch habe ich Dich nie vergessen. Trotz allem ist da Liebe, und Neugier auf alles an Dir, was ich im Oktober 2006 unentdeckt zurücklassen musste.
Meine wenigen Einblicke hinterlassen allenfalls eine Ahnung davon, wer Du bist:
Ein Underdog, anders als die anderen, und irgendwie ein bisschen stolz darauf. Lebensfroh mit einem Hauch Melancholie. Jemand, der sich einen Dreck um die Meinung anderer schert. Freiheitsliebend. Vielfältig. Verwirrend. Nie so, wie man denkt.
Dein Duft von Tarte aux Limon und schwarzem Kaffee kommt mir in den Sinn, gemischt mit dem Dunst von chinesischem Dim-Sum, gebuttertem Popcorn und einem wehmütigen, fast schmerzhaften Hauch von Zigarettenrauch. Wenn ich an Dich denke, höre ich das Glockengeläut vom Notre Dame, Geklapper von Pferdekutschen, und Menschen, die auf den Straßen in einer fremden Sprache schwatzend vorbeihetzen. Du sprichst diese Sprache, und dafür habe ich Dich immer geliebt.
Ich wollte unbedingt so werden wie Du.
Wollte Deine Sprache lernen, die seltsam nasalen Endlaute, die verschluckten Vokale, dieses kaum hörbare, weiche "s" wie in J'te d(s)ie, die religiösen Bilder in jedem Fluch – Tabernak! – und Deine schamlose Direktheit – N'importe quoi! Ich empfand mehr Zuneigung zu Dir als zu meinen eigenen Landsleuten, auch wenn sie noch so schönes Hochdeutsch sprechen.
Es lag nicht an Dir, dass ich damals gehen musste. Viele Male habe ich meine Entscheidung hinterfragt, habe bereut, dass ich Dir nicht mehr Zeit gegeben habe.
Wie oft habe ich versucht, aus den wenigen Erinnerungen, die mir bleiben, ein vollständiges Bild von Dir zu zeichnen. Ein paar Kupfermünzen, eine chinesische Kröte, die Reichtum verspricht, ein Ahornblatt. Rezepte für Pate Chinois und Rice Crispy Squares, eine Tüte mit Noix de Cajoux, Schmerztabletten der Marke Doli Rhume, ein französisches Wörterbuch für Kinder. Beweisstücke für Dein schönes Alltagsgesicht. Aber wie viel von Dir steckt in diesen Relikten? Wer bist Du?
Ich habe ja nicht einmal ein richtiges Foto von Dir. Nur eine verschwommene Aufnahme im Rückspiegel des beigemetallicfarbenen Buick – Be careful, objects may be closer than they appear, steht darunter. Closer than they appear, näher als Du denkst – vielleicht ist das die Täuschung, die uns in den vergangenen 4 Jahren voneinander ferngehalten hat. 6000 km, 9 Flugstunden – wenig, wenn man verliebt ist, aber viel zu viel, wenn man Angst hat.
Ich habe Dir nichts versprochen.
Unser Abschied war überstürzt, wortlos und traurig.
Ich habe nicht einmal gewusst, dass es ein Abschied ist.
Und danach dachte ich lange Zeit, es wäre für immer.
Heute halte ich die Arme auf und heiße Dich wieder in meinem Leben willkommen.
Ich werde Deine Sprache lernen, und endlich in Chinatown den Bubble Tea trinken, den Du mir so lange versprochen hast. Ich werde beim Depanneur einkaufen und im Jardin Botanique lustwandeln. Ich werde auf der Rue Ontario in einem billig erkauften Hostelbett ungeduldig auf den nächsten Morgen warten. Dann werde ich mit dem Tranport Public über den Fluss nach Brossard rüberfahren und all die Orte besuchen, die uns damals miteinander verbunden haben, so fest, dass es beinahe wehtat. Ich werde im Oratoire Saint Joseph ein Jubelgebet sprechen und mir den Bauch am Buffet Vegetarien vollschlagen. Am Lac Mephremagog werde ich sitzen, den iPod in der Tasche und Harmonium im Ohr.
Den Fluss werde ich runterfahren, so wie wir es damals schon machen wollten. Und diesmal werde ich Fotos machen. So viele, dass ich sie zwischendurch auf CD brennen muss. Ich werde Pfannkuchen mit Ahornsirup und frische Buttercroissants frühstücken. Ich werde still sein. Ich werde lauschen. Ich werde all den Menschen zuhören, die Deine Sprache sprechen. Ich werde ihnen in die Augen blicken und Dein Spiegelbild darin sehen.
Ich werde Zigarettenkippen auf die Straße schnippen und mir Dir über Deine englischsprachigen Landsleute lächeln. Ich werde Touristen schief anblicken und ihnen Deine Kultur erklären, geduldig, wieder und wieder, so, als wäre es meine.
Ich werde in Dir aufgehen.
Wir werden endlich zusammen sein.
Ich komme zurück zu Dir, Montréal. Schon bald.
Mittwoch, 31. März 2010
Samstag, 20. März 2010
Trost
Sonntag, 14. März 2010
Donnerstag, 11. März 2010
Mittwoch, 10. März 2010
"Wenn ich unterwegs bin, bin ich ich und gucke in die Gegend"
Vor dem Aufbruch
Sie ist eine Abenteurerin in Filzlatschen, nicht hier und nicht richtig dort. Ihr Leipzig ist das Wohnzimmer der Nation, ein behäbiger Literatursalon, in dem verstaubtes Kabarett voller Klischees dargeboten wird.
Fettbemme einsfuffzig. Hier können Sie noch in D-Mark bezahlen. Ob wirklich noch jemand einen Sparstrumpf voller Markstücke unterm Bett hat?
Leipzig ist ein Ort für politisch korrekte junge Familien. Das Kind geht in den Waldkindergarten, die Pastinaken kommen vom Biobauern, und wer krank ist, geht erstmal zum Heilpraktiker. Spirituell interessierte können sich zwischen 20 Sorten Yoga entscheiden, es sei denn, sie fühlen sich doch mehr zur Tanztherapie im Rauchfrei-Cafe hingezogen. Das ist gerade Mode. Oder liegen die Flyer nur deshalb überall herum, weil niemand hingeht?
Leipzig ist kein Platz für Singles. Leipzig ist ein Ort zum Ankommen. Wer seinen Platz noch nicht gefunden hat, braucht hier nicht zu suchen.
Ihre Wohnung ist eine Oase. Hier herrscht ein ständiger Kampf zwischen Ordnung und Chaos. Wer sie besucht, vergisst die Scham über den eigenen Staub in den Ecken. Es gibt Wichtigeres. Bei ihr trinkt man den weltbesten Kaffee, und ihre Suppen können Leben retten.
Es ist oft still bei ihr. Der Lärm des Lebens bleibt draußen auf der Straße. Die Katze schnurrt in der Ecke, eng zusammengerollt und friedlich. Ein schöner, großer Kater mit gemütlicher Wesensart.
Wie der Herre, so's G'scherre, grinst sie mich an.
Diese Stille. Was macht sie eigentlich den ganzen Tag? Ich stelle mir vor, wie sie in ihrem Sessel den ersten Kaffee trinkt. Zum Arbeiten hat sie den größten Schreibtisch der Welt - die ganze Stadt. Mit Zettel und Stift sitzt sie im Zoo und schaut den Zebras nach, sie wandert durch den Park und verbringt Stunden im Cafe.
Es zieht sie nach draußen. Ein Zuhause kann man nur schätzen, wenn man viel unterwegs ist - genau wie das Unterwegssein ein Basislager, eine Heimat braucht, wohin man zurückkehren kann.
Ihr Basislager, ihre Heimat, ihr Rückzugsort: Ein kleines, helles Zimmer von kühler Klarheit oder sonniger Wärme, je nach Wetterlage. Hier steht das Bett, Platz des himmlischen Friedens. Ein schlichter Schreibtisch steht daneben, darüber ein Regal. Hier geht sie in sich, hier kommt sie zu sich. Hier betritt sie die Welt ihrer Erinnerungen. Der ganze Jakobsweg ist hier, in Briefen, Büchern, Fotos, Aufzeichnungen. Eine Tür, die immer offen ist.
Hier sitzt sie oft und träumt von neuen Abenteuern, von der Liebe und vom Glück. Die Wanderschuhe stehen schon bereit.
> Dieser Text entstand im Oktober 2007 in Leizig bei einer Schreibwerkstatt mit Ingeborg Woitsch zum Thema Übergänge.
"Die Welt ist nicht ein Fenster, die Welt ist ein Spiegel"
Unter dieser Überschrift waren die Teilnehmerinnen eingeladen, zu untersuchen, inwieweit sie anhand ihrer näheren und ferneren Umgebung (mein Zimmer - meine Wohnung – mein Viertel –
meine Stadt) ein Bild von sich selbst skizzieren können.
Wo gibt es Parallelen?
Was gefällt mir, was nicht?
Was habe ich mir selbst ausgesucht, wo bin ich "reingeraten"?
Wie passt die Geschwindigkeit meiner Umgebung zu mir?
Finde ich eher Offenes oder Beschützendes?
Ist meine Wohnung ein- oder "ausladend"?
Sonntag, 7. März 2010
Dienstag, 2. März 2010
Lonely Island Letter #2: February 2010
Montag, 1. März 2010
Aus dem Zettelkasten
Samstag, 20. Februar 2010
Freitag, 19. Februar 2010
Glück
Montag, 15. Februar 2010
Revolution!
Mittwoch, 10. Februar 2010
Das Gasthaus
Das menschliche Dasein ist ein Gasthaus.
The Guest House
This being human is a guest house.
Every morning a new arrival.
A joy, a depression, a meanness,
some momentary awareness comes
as an unexpected visitor.
Welcome and entertain them all!
Even if they're a crowd of sorrows,
who violently sweep your house
empty of its furniture,
still, treat each guest honorably.
He may be clearing you out
for some new delight.
The dark thought, the shame, the malice,
meet them at the door laughing,
and invite them in.
Be grateful for whoever comes,
because each has been sent
as a guide from beyond.
~ Rumi, Übersetzung ins Englische von Coleman Barks ~
Freitag, 5. Februar 2010
Lonely Island Letter #1: January 2010
Matthias is in a good mood, some changes are in development.
Luise has come back from the USA with new plans. Which include not to stay in Germany for a long time.
Weebee has started her everyday creativity blog, look at it! I am looking forward to inspiring entries from my sister in creativity!
- Life is short and you have only one, but this one is your own and you decide what you want to do with it.
- Midday is the best time for mindfulness practice.
- Saturdays are the best days for shopping list collectors.
- I developed a fondness for chicken legs.
- First time in Kosmos Sauna after renovation. Still prefer Sauna im See, to be honest.
- First Kneipentatort. Im Kap West. Oder bei Horns Erben.
- Calm down. Calm down. Calm down.
- Enjoy life.
- Learn to live with little money
- Keep away from facebook.
Mittwoch, 3. Februar 2010
Beipackzettel
Samstag, 30. Januar 2010
Mein Leben als Möbelstück
Sonntag, 10. Januar 2010
Samstag, 9. Januar 2010
Freitag, 1. Januar 2010
Rondell zu Neujahr
Mittwoch, 30. Dezember 2009
Von mir für mich zu Weihnachten.
Samstag, 19. Dezember 2009
Instructions for life
2. Give people more than they expect, and do it cheerfully.
3. Memorize your favourite poem.
4. Don’t believe all you hear, spend all you have, or sleep all you want.
5. When you say “I Love You”, mean it
6. When you say “I’m sorry”, look the person in the eye.
7. Be engaged at least six months before you get married.
8. Believe in love at first sight.
9. Never laugh at anyone’s dreams.
10. Love deeply and passionately. You might get hurt but it’s the only way to live life completely.
11. In disagreements, fight fairly, no name calling.
12. Don’t judge people by their relatives.
13. Talk slowly but think quickly.
14. When someone asks you a question you don’t want to answer, smile and ask “Why do you want to know?”
15. Remember that great love and great achievements involve great risk.
16. Phone your mother.
17. Say “bless you” when you hear someone sneeze.
18. When you lose, don’t lose the lesson
19. Remember the three R’s: Respect for self, Respect for others, Responsibility for all your actions.
20. Don’t let a little dispute injure a great friendship.
21. When you realize you’ve made a mistake, take immediate steps to correct it, then stop worrying.
22. Smile when picking up the phone. The caller will hear it in your voice.
23. Marry someone you love to talk to. As you get older, conversational skills will be as important as any other.
24. Spend some time alone.
25. Open your arms to change, but don’t let go of your values.
26. Remember that silence is sometimes the best answer.
27. Read more books and watch less TV.
28. Live a good, honourable life. Then when you grow old and think back you’ll be able to enjoy it a second time.
29. Trust in God, but lock your car.
30. A loving atmosphere in your home is vital, so do all you can to create harmony in where you live.
31. In disagreements with loved ones, deal with the current situation. Don’t bring up the past.
32. Read between the lines.
33. Share your knowledge. It’s a way to achieve immortality.
34. Be gentle with the Earth.
35. Pray. There’s immeasurable power in it.
36. Never interrupt when you are being flattered.
37. Mind your own business.
38. Think twice about loving a man/woman who doesn’t close his/her eyes when you kiss.
39. At least once a year, make a journey to someplace you’ve never been.
40. If you make a lot of money, put it to use helping others while you are living. That is the greatest pay-off wealth can ever give you.
41. Remember that not getting what you want is sometimes a stroke of luck.
42. Learn the rules, then break some.
43. Remember that the best relationship is one where your love for each other exceeds your need for each other.
44. Judge your success by what you had to give up in order to get it.
45. Remember that your character is your destiny.
46. Approach love and cooking with reckless abandon.














