Samstag, 30. Januar 2010

Mein Leben als Möbelstück


Wenn Du ein Möbelstück wärst, was wärst Du?
Wie würdest Du aussehen? Wärst Du alt, neu, modern, verspielt, bequem oder unbequem, hölzern, aus Metall, hart, weich, praktisch oder schön? Und was hättest Du schon alles erlebt?

Was hättest Du als Möbelstück zu erzählen?
30- 45 Minuten. Viel Spaß.

Und hier ist meine Variante.

Der alte Sessel

Ich habe schon viele Umzüge mitgemacht. Die Spuren der fremden Orte, der Treppenhäuser, der Umzugswagen, der vielen Arme und Hände, die mich in Wohnungen hinein und aus ihnen wieder hinaus getragen haben, sieht man deutlich. Ich bin nicht mehr so straff wie am Anfang, bin nachgiebig und weich geworden, und hier und da guckt eine Sprungfeder heraus.

Mein Polster ist abgewetzt und fleckig, und so sehr ich mich auch bemühe, sie zu halten, ich muss doch zugeben, dass hier und da ein wenig meiner Füllung herausrieselt und sich unter mir sammelt, wo die Putzfrau sie dann allwöchentlich wegsaugt.

Einer meiner Füße ist gebrochen und notdürftig wieder angeleimt – und doch stehe ich stabil und wundere mich manchmal selbst über meine Standhaftigkeit und darüber, wie viel Gewicht ich aushalte.

Ich war nie ein zierlicher Sessel mit zarten Füßchen, sondern immer schon ein großes Möbelstück, das nicht in jede Ecke passt. Nicht jeder möchte so ein sperriges Stück bei sich zu Hause haben, doch für meine Besitzerin bin ich ein Lieblingsstück. Und jeder, der in mir Platz nimmt, vergisst ganz schnell die Schäbigkeit meiner Polster und die Kratzer auf meinen Armlehnen, und lässt sich einfach nieder.

Ich bin ein Ort, ein Platz, an dem die Menschen zur Ruhe und zu sich selbst kommen inmitten des hektischen Lebens. Auch die Katze, der ich meine abgewetzten Stellen verdanke, liebt mich sehr.

Ich habe schon viel erlebt, und stehe nun an einem ruhigen Platz zwischen Fenster und Ofen, wo ich die Wärme und zugleich den Blick nach draußen genießen kann.

Ich werde nie wieder wie neu sein, aber ich bin ein Lieblingsstück. Und wenn meine Besitzerin mich pflegt und vielleicht auch meine Blessuren flickt und repariert, habe ich noch ein langes Leben vor mir.

Dieser Text entstand im Frühjahr 2009 im Rahmen der Poesietherapie-Ausbildung bei Ingeborg Woitsch in Berlin.

Es scheint ebenso spannend zu sein, sich vorzustellen, man sei ein Musikinstrument. Hinweise auf diese und andere Metaphern-Übungen finden sich in dem Buch "Wörter bauen Brücken" von Gisela Rees-Hartjes.

Und was wärst Du, wenn Du ein Fahrzeug wärst?
"Ich habe schon ein paar Beulen, aber mit mir ist immer noch ganz schön viel los."

Oder ein Küchengerät?
"Sie holt mich nur raus, wenn sie was von mir will."

Ein Zeichenutensil?
"Auch wenn es draußen grau ist, mache ich alles bunt."

Etwas aus Papier?
"Jemand hat mich geschrieben und nie abgeschickt."

Ein Kleidungsstück?
"In mir kann man sich verstecken. In mir ist es immer schön warm."

Sonntag, 10. Januar 2010

Schneenachmittag


Mit leiser Stimme
wispert das Holz im Ofen
wie feine Glöckchen.

Samstag, 9. Januar 2010

Freitag, 1. Januar 2010

Rondell zu Neujahr


Es kehrt Stille ein.
Schweigend bereiten wir dem Raum
für das, was kommen will.
Es kehrt Stille ein.
Wir stellen Blumen hin dem Neuen.
Wir öffnen die Tür.
Es kehrt Stille ein.
Schweigend bereiten wir den Raum.