Posts mit dem Label Haiku werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Haiku werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 10. Januar 2010

Schneenachmittag


Mit leiser Stimme
wispert das Holz im Ofen
wie feine Glöckchen.

Sonntag, 25. Oktober 2009

Beim Therapeuten

Worte wie Hände
von Ufer zu Ufer
rettend ausgestreckt

Donnerstag, 14. Mai 2009

Über das Haikuschreiben

Erfahrungsbericht im Rahmen der Poesietherapie-Ausbildung bei Ingeborg Woitsch, Frühjahr 2009

Mit dem Wortpinsel
male ich, was ich sehe
beim Haikuschreiben.

Im hellen Mondlicht
glänzt gelb der Kopf des Fuchses
beim Müllcontainer

Seite an Seite
auf Futtersuche im Müll
Fuchs und Igel

Eine Rapsblüte
am Fuße des Pflaumenbaums
leuchtet auch – allein.

lange erwartet
da - durchs offene Fenster
der Duft von Bärlauch

Abends im Zimmer
meine schlafenden Katzen
himmlische Ruhe

Die kleinen Blüten
wie fein bestickte Stoffe
für Festtagskleider

Zwei helle Lichter
in der Kellerdunkelheit
Katze im Versteck

Vom grauen Himmel
lässt sich der Raps nicht stören
sieh nur sein Leuchten!

Gestern Löwenzahn
heute schon Pusteblumen
morgen nichts als Luft

Was soll man zum Haiku schon schreiben? Ein Haiku IST, nichts weiter. Es passiert, und man schreibt es auf. Na gut – aber was macht das Haikuschreiben mit mir? Poesietherapeutisch?

Es verankert mich in der Gegenwart und in den Jahreszeiten. Ich lasse meine Blicke schweifen – na, irgendwelche Haiku zu sehen? Da – eine einzelne Rapspflanze, und trotzdem so leuchtend. Oh, der Sommerregen. Noch nie habe ich so genau hingehört.

Haiku schreiben ist beruhigend einfach. Es gibt beruhigend klare Regeln. Deshalb kann ich nichts falsch machen, kann keine falsche Entscheidung treffen. Das ist angenehm, in einem Leben voller Entscheidungen.

In schwierigen Zeiten, wenn ich sehr mit mir selbst beschäftigt bin, zieht das Haikuschreiben meine Gedanken von mir weg zur Welt – zu etwas Größerem, zu dem, was alle Menschen gemeinsam haben, und zu dem immer gleichen Lauf der Jahreszeiten – denn in den kleinen Momenten steckt sehr wohl immer auch Allgemeines – der Raps blüht gelb, auch wenn ich traurig bin, und er wird auch nächstes und übernächstes Jahr wieder blühen, und das ist eine beruhigende Sicherheit.

Und im eigentlichen Moment des Haikuschreibens? Bin ich ganz konzentriert auf das, was ich tue. Da ist kein Platz für Grübeleien oder Abgelenktsein – ganz sicher nicht würde ich während der Arbeit an einem Haiku nebenbei im Internet surfen – denn meine Gedanken sind ganz bei der Sache, suchen Worte, beschwören Bilder herauf, zählen Silben – ein neumodisches Wort für dieses Versunkensein ist "Flow". Es ist eine angenehme Pause vom Grübeln über alle möglichen wichtigen und unwichtigen Probleme. Das spielt alles keine Rolle, im Augenblick zählen nur die Silben und Worte.

Anfangs habe ich versucht, schwierige Zusammenhänge in die wenigen Silben zu pressen – habe interpretiert, Metaphern für meine eigene innere Welt gesucht und mich dabei sehr angestrengt.

Seit ich mehr über das Haikuschreiben gelesen habe, weiß ich seine einfache Natur zu schätzen: Es soll gerade nicht interpretiert, nachgedacht, bewertet werden. Wenn es um Rapsblüten geht, geht es wirklich nur um Rapsblüten und mal nicht um mein gebrochenes Herz. Und das (jetzt wo ich es schreibe, entlockt es mir ein Schmunzeln) ist für mich eigentlich die größte Heilwirkung des Haiku:

Kopf aus, Augen auf.
Erleben statt grübeln
– wahrnehmen statt urteilen.

Alles darf sein.

Donnerstag, 26. März 2009

Die Rosen

die stolzen Rosen
im Spülstein ihre Dornen
Wehmut erfüllt mich

Donnerstag, 22. Januar 2009

Das Metronom

Tack Tack Tack Tack Tack
Tack Tack Tack Tack Tack Tack Tack
Tack Tack Tack Tack Tack

Sonntag, 18. Januar 2009

Die Haikuh

mit Schwanz und Hufen
verscheucht sie kleine Fische
das ist die Haikuh

Freitag, 2. Januar 2009

Neujahr

wie mich Dein Blick trifft
beim Binden der Schlittschuhe
am Neujahrsmorgen

Sonntag, 7. Dezember 2008

A collection of winter haiku

Erster Dezember
steif gefroren und schneeweiß
die Wäsche im Hof

dreh dich noch mal rum
der erste der heut erwacht
muss kohlen holen

ein warmes Versteck
hinterm Ofenholzstapel
Katze an Katze

vor meiner Hütte
eine verwitterte Bank
und warme Decken

ein nasser schneeball
so traf dein tiefer blick mich
ganz unerwartet

weiß weiß weiß weiß weiß
für Schneemann und Rennschlitten
Wolkenversprechen

Der Duft des Winters
in einer Papiertüte
Heiße Maronen

Jeder Atemzug
spricht vom eiskalten Morgen
in Nebelwölkchen

Ein Licht im Dunkel
Auf der Spitze der Tanne
die weiße Mütze

ein leichter Windstoß
beim Öffen der Tür zittern
die Kerzenflammen

gedämpfte Töne
die ganze Welt eingehüllt
in Schnee und Stille

Ein Dämmerstündchen
Geschichten und Bratäpfel
in Omas Küche

Mühsam hinauf zieht
die alte Frau den Schlitten
mit ihrem Christbaum

He, guten Morgen!
wer braucht schon einen Wecker
am Nikolaustag?

Weihnachtsferien
es riecht nach nassen Jacken
im stillen Schulhaus

in allen Fenstern
leuchten zur Dämmerstunde
die Weihnachtsbäume

Die Uhr tickt langsam
fast scheint sie still zu stehen
am Weihnachtsmorgen.

Großmutter lächelt
Ihr habt ja im Weihnachtsbaum
noch echte Kerzen

Dienstag, 21. Oktober 2008

im Herbst

die roten Blätter
tanzen wie Flocken im Wind
so verweht der Herbst.

in einer Pfütze
ein Handschuh, rot, aus Wolle
wer ihn wohl vermisst?

Ende Oktober
Reif auf dem Hinterhausdach
der erste Nachtfrost