Sonntag, 15. November 2009

Glück in Suppentassen, Teil II: Der Duft von Ingwer


Als ich ein halbes Jahr in Südspanien war, habe ich vor allem drei Dinge vermisst: Regenwetter, Sauna, und kühle Tage, an denen man Körper und Seele mit einer duftenden Kürbissuppe aufwärmen kann.

Deshalb freue ich mich im Herbst ganz besonders auf die ersten Hokkaido-Kürbisse – und auf das erste Mal, wenn meine Küche wieder schön warm nach Ingwer duftet.


Wärmende Kürbissuppe mit Kokosmilch

Man nehme:
1 Hokkaido-Kürbis
Kartoffeln
Möhren
Ingwer, es darf ein etwa handgroßes Stück sein
1 Dose Kokosmilch
Salz
Wasser
1 großer Topf
Pürierstab

Den Kürbis von außen gut waschen. Danach kannst Du ihn halbieren, die Kerne herauslöffeln (weg damit!) und den Kürbis mitsamt der Schale in Stücke schneiden. Schäle die Möhren und die Kartoffeln und schneide sie ebenfalls in kleine Stücke. (Möhren sind übrigens nicht unbedingt nötig, aber die Kartoffeln machen die Suppe dicker und geben ihr einen kräftigen Geschmack.)

Bedecke das Gemüse in Deinem größten Topf mit Wasser und stell es auf die Herdplatte. Bis das Wasser heiß ist, kannst Du den Ingwer schneiden und zerkleinern. Ich nehme dazu die Parmesanreibe. Egal, wie Du es machst, der Ingwer kommt sofort mit in den Topf. Auch Salz kannst Du schon dazugeben. Dann lasse alles ca. 20 Minuten kochen, am besten so, dass das Gemüse weich ist, aber noch nicht zerfällt. Riechst Du, wie gut der Ingwer duftet?

Wenn das Gemüse weich ist, kannst Du Deine Suppe pürieren. Am besten geht das mit dem Pürierstab. Da ich gern Kürbisstücke mag, fische ich vor dem Pürieren eine gute Menge davon heraus und gebe sie erst hinterher wieder dazu. Schneller geht es, wenn man gleich alles püriert. Dabei kannst Du auch die Kokosmilch hinzugießen.

Schmecke die pürierte Suppe noch einmal mit Salz ab. Wenn sie noch nicht kräftig genug schmeckt, ist wahrscheinlich zu wenig Ingwer drin. Mit dem Saft einer Zitrone kannst Du den Geschmack etwas unterstützen.

Lass Dir die Suppe schmecken und freu Dich über den Ingwerduft in Deiner Küche!


Samstag, 14. November 2009

Glück gibt es tiefgefroren für 1,99 plus Suppengrün.

Es gibt viele Rezepte zum Glücklichsein: Einen halben Liter Freundschaft, drei große Batzen Hingabe und eine Prise Dankbarkeit, so oder ähnlich lauten die meisten Rezepte.

Stimmt alles nicht! Glück gibt es im Supermarkt, und zwar zum Beispiel in der Hühnerabteilung.


Die erste Hühnersuppe des Winters

Man nehme:
1 Suppenhuhn
1 gutes Suppengrün, können auch zwei sein, besonders wichtig für den Geschmack ist der Sellerie
1 großen Topf
viel Wasser
Salz und Pfeffer

Taue das gefrorene Suppenhuhn irgendwie auf. Am schnellsten geht es im Kochtopf, einmal ganz kurz aufkochen, danach ist das Eis weg, aber der Geschmack noch da. Wichtig ist, dass Du das Auftauwasser weggießt, wegen der Salmonellen.

Bereite dem Huhn ein schönes, heißes Bad aus mehreren Litern Wasser (sodass es gut bedeckt ist) und dem kleingeschnipselten Suppengrün. Da kann Dein Suppenhuhn gern mehrere Stunden lang drin köcheln. Je länger, desto mehr Geschmack. Zwei Stunden sind eine gute Faustregel. Zwischendurch kannst Du schon mal Salz und etwas Pfeffer hinzugeben.

Wenn es lange genug gekocht hat, nimm das Huhn raus und lass es abkühlen, damit Du das Fleisch abzupfen kannst. Das kommt wieder in die Suppe. Vorher überlege Dir, ob Du das zerkochte Gemüse drinlassen willst oder nicht. Wenn nicht, gieße die Suppe (ohne Fleischeinlage!) durch ein Sieb. Ich mache es mal so, mal so. Man kann auch wieder frisches Gemüse hinzufügen.

Das abgezupfte Fleisch in kleinen Stücken wieder hinzugeben. Ich mag meine Suppe gern mit Einlage, zum Beispiel mit Reis oder kleinen Nudeln (ich nehme Buchstaben oder Sternchen). Wenn es nach Omas Küche schmecken soll, sind auch Graupen eine gute Idee. Manche mögen sie, andere überhaupt nicht. Das ist Geschmackssache.

Zum Schluss schmecke die Suppe nochmal mit Salz und Pfeffer ab, bedanke Dich bei dem Huhn, dass es Dir mit seiner Suppe Kraft gibt, und dann: Guten Appetit.

Sonntag, 25. Oktober 2009

Beim Therapeuten

Worte wie Hände
von Ufer zu Ufer
rettend ausgestreckt

Kein Haiku


Ein ganz normaler Wintertag
es riecht nach Schnee
plötzlich, zack, bang!
Das Glück.

Montag, 14. September 2009

Vergnügungen I.

Zeit für mich allein
ausschlafen, frühstücken
Schnee
Frühling und Herbst
Regen, Gewitter
barfuß gehen
schreiben und lesen
wandern
die Psychotherapie
fremde Gewürze
Tee, Kaffee
nichts tun
lernen
berührt werden
Ordnung
Stille

nach dem Gedicht "Vergnügungen" von Bertolt Brecht

Vergnügungen II.

Selbst gepflückte Brombeeren
Wasserfälle, Borkenboote
im Zelt schlafen
Feuerchen
auf Bäume klettern
schnitzen
lesen lernen
kleine Frösche
Buntstifte, Filzstifte
die Farbe Rosa
Nikolausmorgen
gegrilltes Huhn
die Katze
Schmetterlinge
Hasenbrote

was ein Kind schreiben würde – nach dem Gedicht "Vergnügungen" von Bertolt Brecht

Mittwoch, 15. Juli 2009

Collection #1


Things I found on my walk today.

Sonntag, 12. Juli 2009

forehead hug

Language, so deeply connected with emotions. To make a comment on a photo on Keri Smiths Photostream at flickr, I searched for the word "forehead". And when I found it, I bursted into tears. I remembered. The forehead hug.

It was something I only shared with Jonathan. For Jonathan it was something he only shared with me. When we hugged, I used to lay my forehead on his, just for a little moment. It made me quiet and calm. It was a way to express deep love and be close. To find peace in the other one, to arrive, to be in the moment. Whatever.

Later, back home, when we talked online via Skype, we still did it. We both touched the monitor with our foreheads syncronically to say goodbye. It was both sad and beautiful to keep this habit even with 6000 miles between us.

It is good to remember, even if it makes me cry. There was love.

Donnerstag, 14. Mai 2009

Über das Haikuschreiben

Erfahrungsbericht im Rahmen der Poesietherapie-Ausbildung bei Ingeborg Woitsch, Frühjahr 2009

Mit dem Wortpinsel
male ich, was ich sehe
beim Haikuschreiben.

Im hellen Mondlicht
glänzt gelb der Kopf des Fuchses
beim Müllcontainer

Seite an Seite
auf Futtersuche im Müll
Fuchs und Igel

Eine Rapsblüte
am Fuße des Pflaumenbaums
leuchtet auch – allein.

lange erwartet
da - durchs offene Fenster
der Duft von Bärlauch

Abends im Zimmer
meine schlafenden Katzen
himmlische Ruhe

Die kleinen Blüten
wie fein bestickte Stoffe
für Festtagskleider

Zwei helle Lichter
in der Kellerdunkelheit
Katze im Versteck

Vom grauen Himmel
lässt sich der Raps nicht stören
sieh nur sein Leuchten!

Gestern Löwenzahn
heute schon Pusteblumen
morgen nichts als Luft

Was soll man zum Haiku schon schreiben? Ein Haiku IST, nichts weiter. Es passiert, und man schreibt es auf. Na gut – aber was macht das Haikuschreiben mit mir? Poesietherapeutisch?

Es verankert mich in der Gegenwart und in den Jahreszeiten. Ich lasse meine Blicke schweifen – na, irgendwelche Haiku zu sehen? Da – eine einzelne Rapspflanze, und trotzdem so leuchtend. Oh, der Sommerregen. Noch nie habe ich so genau hingehört.

Haiku schreiben ist beruhigend einfach. Es gibt beruhigend klare Regeln. Deshalb kann ich nichts falsch machen, kann keine falsche Entscheidung treffen. Das ist angenehm, in einem Leben voller Entscheidungen.

In schwierigen Zeiten, wenn ich sehr mit mir selbst beschäftigt bin, zieht das Haikuschreiben meine Gedanken von mir weg zur Welt – zu etwas Größerem, zu dem, was alle Menschen gemeinsam haben, und zu dem immer gleichen Lauf der Jahreszeiten – denn in den kleinen Momenten steckt sehr wohl immer auch Allgemeines – der Raps blüht gelb, auch wenn ich traurig bin, und er wird auch nächstes und übernächstes Jahr wieder blühen, und das ist eine beruhigende Sicherheit.

Und im eigentlichen Moment des Haikuschreibens? Bin ich ganz konzentriert auf das, was ich tue. Da ist kein Platz für Grübeleien oder Abgelenktsein – ganz sicher nicht würde ich während der Arbeit an einem Haiku nebenbei im Internet surfen – denn meine Gedanken sind ganz bei der Sache, suchen Worte, beschwören Bilder herauf, zählen Silben – ein neumodisches Wort für dieses Versunkensein ist "Flow". Es ist eine angenehme Pause vom Grübeln über alle möglichen wichtigen und unwichtigen Probleme. Das spielt alles keine Rolle, im Augenblick zählen nur die Silben und Worte.

Anfangs habe ich versucht, schwierige Zusammenhänge in die wenigen Silben zu pressen – habe interpretiert, Metaphern für meine eigene innere Welt gesucht und mich dabei sehr angestrengt.

Seit ich mehr über das Haikuschreiben gelesen habe, weiß ich seine einfache Natur zu schätzen: Es soll gerade nicht interpretiert, nachgedacht, bewertet werden. Wenn es um Rapsblüten geht, geht es wirklich nur um Rapsblüten und mal nicht um mein gebrochenes Herz. Und das (jetzt wo ich es schreibe, entlockt es mir ein Schmunzeln) ist für mich eigentlich die größte Heilwirkung des Haiku:

Kopf aus, Augen auf.
Erleben statt grübeln
– wahrnehmen statt urteilen.

Alles darf sein.

Sonntag, 26. April 2009

Rondell

Der Raum, in dem ich lebe
passt in einen Rucksack.
Er ist unendlich weit,
der Raum, in dem ich lebe.
Jeden Morgen packe ich mein Leben ein.
Ich trage es mit mir herum.
Der Raum, in dem ich lebe
passt in einen Rucksack.

Samstag, 25. April 2009

Gnade

Der Moment,
in dem der Lärm des Kampfes
einer unendlichen Stille
und Müdigkeit weicht
und wir schlafen können
und träumen
und wieder aufwachen
und atmen

das ist das Geschenk
unendlichen Schmerzes.

Berghütte

sowohl vergessen
als auch geborgen

fliehen
zu Gefährtinnen in grün

demut
einsamkeit

Wunsch

Den Worten den Rücken kehren
still ist es ohne Gespenster
alles loslassen und wiederfinden
im klaren Wasser, im Stein
im Holz und in der Erde
dort, wo beim Aufwachen
im Tau der Regenbogen blitzt.

Mittwoch, 22. April 2009

NEU!



Frau Fuchs

Donnerstag, 26. März 2009

Die Rosen

die stolzen Rosen
im Spülstein ihre Dornen
Wehmut erfüllt mich

Donnerstag, 22. Januar 2009

Das Metronom

Tack Tack Tack Tack Tack
Tack Tack Tack Tack Tack Tack Tack
Tack Tack Tack Tack Tack

Sonntag, 18. Januar 2009

Die Haikuh

mit Schwanz und Hufen
verscheucht sie kleine Fische
das ist die Haikuh

Freitag, 2. Januar 2009

Neujahr

wie mich Dein Blick trifft
beim Binden der Schlittschuhe
am Neujahrsmorgen

Dienstag, 9. Dezember 2008

Camino


Ich habe die Pyrenäen geliebt
Steine und Staub, schneebedeckte Ferne
trockenen Boden, von Rissen durchsetzt

Ich habe die rote Erde des Rioja geliebt
die dampfenden Weinberge in der Sonne
bliebe ich hier liegen, ich würde verdorren

Ach, was liebte ich die grüne Meseta
im Frühling
wo jeder Blick 1000 Schritte weit reicht

Ich liebte Kastilien
trocken und heiß
nie hab ich seitdem mehr die Störche gehört

Ich liebte Leon,
weiße Herrlichkeit, die der Blick kaum umfasst
dazu gutes Essen und ein weiches Bett

Ich liebte die Berge
stieg singend hinauf
nach Astorga, Rabanal und Foncebadon

Selbst O'Cebreiro schreckte mich nicht.

Was liebte ich Galicien!

Hier verlor ich mein Herz
an Kuhweiden und Eukalyptuswälder
an die Hühner, an alten Stein.

Hier in Galicien
möchte ich Schafe hüten

Im Regen möchte ich sitzen und die Feuchtigkeit atmen
eine Flöte werde ich mir schnitzen
Lieder werde ich singen

von Heimweh und Ankunft.

(Valencia, Mai 2008)

Montag, 8. Dezember 2008

In der Zwischenzeit


Ich führe meinen Vogel spazieren, 
gehe schwanger mit mir selbst
reiße die Schutzhüllen ein
Schicht für Schicht

Ich mache Gold zu Dreck
Dreck zu Holz;

der ehrlichste Stoff
aus dem 
ein Tisch, ein Stuhl
sein kann.

Sonntag, 7. Dezember 2008

A collection of winter haiku

Erster Dezember
steif gefroren und schneeweiß
die Wäsche im Hof

dreh dich noch mal rum
der erste der heut erwacht
muss kohlen holen

ein warmes Versteck
hinterm Ofenholzstapel
Katze an Katze

vor meiner Hütte
eine verwitterte Bank
und warme Decken

ein nasser schneeball
so traf dein tiefer blick mich
ganz unerwartet

weiß weiß weiß weiß weiß
für Schneemann und Rennschlitten
Wolkenversprechen

Der Duft des Winters
in einer Papiertüte
Heiße Maronen

Jeder Atemzug
spricht vom eiskalten Morgen
in Nebelwölkchen

Ein Licht im Dunkel
Auf der Spitze der Tanne
die weiße Mütze

ein leichter Windstoß
beim Öffen der Tür zittern
die Kerzenflammen

gedämpfte Töne
die ganze Welt eingehüllt
in Schnee und Stille

Ein Dämmerstündchen
Geschichten und Bratäpfel
in Omas Küche

Mühsam hinauf zieht
die alte Frau den Schlitten
mit ihrem Christbaum

He, guten Morgen!
wer braucht schon einen Wecker
am Nikolaustag?

Weihnachtsferien
es riecht nach nassen Jacken
im stillen Schulhaus

in allen Fenstern
leuchten zur Dämmerstunde
die Weihnachtsbäume

Die Uhr tickt langsam
fast scheint sie still zu stehen
am Weihnachtsmorgen.

Großmutter lächelt
Ihr habt ja im Weihnachtsbaum
noch echte Kerzen

Dienstag, 21. Oktober 2008

im Herbst

die roten Blätter
tanzen wie Flocken im Wind
so verweht der Herbst.

in einer Pfütze
ein Handschuh, rot, aus Wolle
wer ihn wohl vermisst?

Ende Oktober
Reif auf dem Hinterhausdach
der erste Nachtfrost