Zeit für mich allein
ausschlafen, frühstücken
Schnee
Frühling und Herbst
Regen, Gewitter
barfuß gehen
schreiben und lesen
wandern
die Psychotherapie
fremde Gewürze
Tee, Kaffee
nichts tun
lernen
berührt werden
Ordnung
Stille
nach dem Gedicht "Vergnügungen" von Bertolt Brecht
Montag, 14. September 2009
Vergnügungen I.
Vergnügungen II.
Selbst gepflückte Brombeeren
Wasserfälle, Borkenboote
im Zelt schlafen
Feuerchen
auf Bäume klettern
schnitzen
lesen lernen
kleine Frösche
Buntstifte, Filzstifte
die Farbe Rosa
Nikolausmorgen
gegrilltes Huhn
die Katze
Schmetterlinge
Hasenbrote
was ein Kind schreiben würde – nach dem Gedicht "Vergnügungen" von Bertolt Brecht
Mittwoch, 15. Juli 2009
Sonntag, 12. Juli 2009
forehead hug
Language, so deeply connected with emotions. To make a comment on a photo on Keri Smiths Photostream at flickr, I searched for the word "forehead". And when I found it, I bursted into tears. I remembered. The forehead hug.
It was something I only shared with Jonathan. For Jonathan it was something he only shared with me. When we hugged, I used to lay my forehead on his, just for a little moment. It made me quiet and calm. It was a way to express deep love and be close. To find peace in the other one, to arrive, to be in the moment. Whatever.
Later, back home, when we talked online via Skype, we still did it. We both touched the monitor with our foreheads syncronically to say goodbye. It was both sad and beautiful to keep this habit even with 6000 miles between us.
It is good to remember, even if it makes me cry. There was love.
Donnerstag, 14. Mai 2009
Über das Haikuschreiben
Mit dem Wortpinsel
male ich, was ich sehe
beim Haikuschreiben.
Im hellen Mondlicht
glänzt gelb der Kopf des Fuchses
beim Müllcontainer
Seite an Seite
auf Futtersuche im Müll
Fuchs und Igel
Eine Rapsblüte
am Fuße des Pflaumenbaums
leuchtet auch – allein.
lange erwartet
da - durchs offene Fenster
der Duft von Bärlauch
Abends im Zimmer
meine schlafenden Katzen
himmlische Ruhe
Die kleinen Blüten
wie fein bestickte Stoffe
für Festtagskleider
Zwei helle Lichter
in der Kellerdunkelheit
Katze im Versteck
Vom grauen Himmel
lässt sich der Raps nicht stören
sieh nur sein Leuchten!
Gestern Löwenzahn
heute schon Pusteblumen
morgen nichts als Luft
Was soll man zum Haiku schon schreiben? Ein Haiku IST, nichts weiter. Es passiert, und man schreibt es auf. Na gut – aber was macht das Haikuschreiben mit mir? Poesietherapeutisch?
Es verankert mich in der Gegenwart und in den Jahreszeiten. Ich lasse meine Blicke schweifen – na, irgendwelche Haiku zu sehen? Da – eine einzelne Rapspflanze, und trotzdem so leuchtend. Oh, der Sommerregen. Noch nie habe ich so genau hingehört.
Haiku schreiben ist beruhigend einfach. Es gibt beruhigend klare Regeln. Deshalb kann ich nichts falsch machen, kann keine falsche Entscheidung treffen. Das ist angenehm, in einem Leben voller Entscheidungen.
In schwierigen Zeiten, wenn ich sehr mit mir selbst beschäftigt bin, zieht das Haikuschreiben meine Gedanken von mir weg zur Welt – zu etwas Größerem, zu dem, was alle Menschen gemeinsam haben, und zu dem immer gleichen Lauf der Jahreszeiten – denn in den kleinen Momenten steckt sehr wohl immer auch Allgemeines – der Raps blüht gelb, auch wenn ich traurig bin, und er wird auch nächstes und übernächstes Jahr wieder blühen, und das ist eine beruhigende Sicherheit.
Und im eigentlichen Moment des Haikuschreibens? Bin ich ganz konzentriert auf das, was ich tue. Da ist kein Platz für Grübeleien oder Abgelenktsein – ganz sicher nicht würde ich während der Arbeit an einem Haiku nebenbei im Internet surfen – denn meine Gedanken sind ganz bei der Sache, suchen Worte, beschwören Bilder herauf, zählen Silben – ein neumodisches Wort für dieses Versunkensein ist "Flow". Es ist eine angenehme Pause vom Grübeln über alle möglichen wichtigen und unwichtigen Probleme. Das spielt alles keine Rolle, im Augenblick zählen nur die Silben und Worte.
Anfangs habe ich versucht, schwierige Zusammenhänge in die wenigen Silben zu pressen – habe interpretiert, Metaphern für meine eigene innere Welt gesucht und mich dabei sehr angestrengt.
Seit ich mehr über das Haikuschreiben gelesen habe, weiß ich seine einfache Natur zu schätzen: Es soll gerade nicht interpretiert, nachgedacht, bewertet werden. Wenn es um Rapsblüten geht, geht es wirklich nur um Rapsblüten und mal nicht um mein gebrochenes Herz. Und das (jetzt wo ich es schreibe, entlockt es mir ein Schmunzeln) ist für mich eigentlich die größte Heilwirkung des Haiku:
Kopf aus, Augen auf.
Erleben statt grübeln
– wahrnehmen statt urteilen.
Alles darf sein.
Sonntag, 26. April 2009
Rondell
Der Raum, in dem ich lebe
passt in einen Rucksack.
Er ist unendlich weit,
der Raum, in dem ich lebe.
Jeden Morgen packe ich mein Leben ein.
Ich trage es mit mir herum.
Der Raum, in dem ich lebe
passt in einen Rucksack.
Samstag, 25. April 2009
Gnade
Der Moment,
in dem der Lärm des Kampfes
einer unendlichen Stille
und Müdigkeit weicht
und wir schlafen können
und träumen
und wieder aufwachen
und atmen
das ist das Geschenk
unendlichen Schmerzes.
Wunsch
Den Worten den Rücken kehren
still ist es ohne Gespenster
alles loslassen und wiederfinden
im klaren Wasser, im Stein
im Holz und in der Erde
dort, wo beim Aufwachen
im Tau der Regenbogen blitzt.
Mittwoch, 22. April 2009
Donnerstag, 26. März 2009
Donnerstag, 22. Januar 2009
Sonntag, 18. Januar 2009
Freitag, 2. Januar 2009
Dienstag, 9. Dezember 2008
Camino
Steine und Staub, schneebedeckte Ferne
trockenen Boden, von Rissen durchsetzt
Ich habe die rote Erde des Rioja geliebt
die dampfenden Weinberge in der Sonne
bliebe ich hier liegen, ich würde verdorren
Ach, was liebte ich die grüne Meseta
im Frühling
wo jeder Blick 1000 Schritte weit reicht
Ich liebte Kastilien
trocken und heiß
nie hab ich seitdem mehr die Störche gehört
Ich liebte Leon,
weiße Herrlichkeit, die der Blick kaum umfasst
dazu gutes Essen und ein weiches Bett
Ich liebte die Berge
stieg singend hinauf
nach Astorga, Rabanal und Foncebadon
Selbst O'Cebreiro schreckte mich nicht.
Was liebte ich Galicien!
Hier verlor ich mein Herz
an Kuhweiden und Eukalyptuswälder
an die Hühner, an alten Stein.
Hier in Galicien
möchte ich Schafe hüten
Im Regen möchte ich sitzen und die Feuchtigkeit atmen
eine Flöte werde ich mir schnitzen
Lieder werde ich singen
von Heimweh und Ankunft.
(Valencia, Mai 2008)
Montag, 8. Dezember 2008
In der Zwischenzeit
Sonntag, 7. Dezember 2008
A collection of winter haiku
Erster Dezember
steif gefroren und schneeweiß
die Wäsche im Hof
dreh dich noch mal rum
der erste der heut erwacht
muss kohlen holen
ein warmes Versteck
hinterm Ofenholzstapel
Katze an Katze
vor meiner Hütte
eine verwitterte Bank
und warme Decken
ein nasser schneeball
so traf dein tiefer blick mich
ganz unerwartet
weiß weiß weiß weiß weiß
für Schneemann und Rennschlitten
Wolkenversprechen
Der Duft des Winters
in einer Papiertüte
Heiße Maronen
Jeder Atemzug
spricht vom eiskalten Morgen
in Nebelwölkchen
Ein Licht im Dunkel
Auf der Spitze der Tanne
die weiße Mütze
ein leichter Windstoß
beim Öffen der Tür zittern
die Kerzenflammen
gedämpfte Töne
die ganze Welt eingehüllt
in Schnee und Stille
Ein Dämmerstündchen
Geschichten und Bratäpfel
in Omas Küche
Mühsam hinauf zieht
die alte Frau den Schlitten
mit ihrem Christbaum
He, guten Morgen!
wer braucht schon einen Wecker
am Nikolaustag?
Weihnachtsferien
es riecht nach nassen Jacken
im stillen Schulhaus
in allen Fenstern
leuchten zur Dämmerstunde
die Weihnachtsbäume
Die Uhr tickt langsam
fast scheint sie still zu stehen
am Weihnachtsmorgen.
Großmutter lächelt
Ihr habt ja im Weihnachtsbaum
noch echte Kerzen
Dienstag, 21. Oktober 2008
im Herbst
die roten Blätter
tanzen wie Flocken im Wind
so verweht der Herbst.
in einer Pfütze
ein Handschuh, rot, aus Wolle
wer ihn wohl vermisst?
Ende Oktober
Reif auf dem Hinterhausdach
der erste Nachtfrost


