Dienstag, 9. Dezember 2008

Camino


Ich habe die Pyrenäen geliebt
Steine und Staub, schneebedeckte Ferne
trockenen Boden, von Rissen durchsetzt

Ich habe die rote Erde des Rioja geliebt
die dampfenden Weinberge in der Sonne
bliebe ich hier liegen, ich würde verdorren

Ach, was liebte ich die grüne Meseta
im Frühling
wo jeder Blick 1000 Schritte weit reicht

Ich liebte Kastilien
trocken und heiß
nie hab ich seitdem mehr die Störche gehört

Ich liebte Leon,
weiße Herrlichkeit, die der Blick kaum umfasst
dazu gutes Essen und ein weiches Bett

Ich liebte die Berge
stieg singend hinauf
nach Astorga, Rabanal und Foncebadon

Selbst O'Cebreiro schreckte mich nicht.

Was liebte ich Galicien!

Hier verlor ich mein Herz
an Kuhweiden und Eukalyptuswälder
an die Hühner, an alten Stein.

Hier in Galicien
möchte ich Schafe hüten

Im Regen möchte ich sitzen und die Feuchtigkeit atmen
eine Flöte werde ich mir schnitzen
Lieder werde ich singen

von Heimweh und Ankunft.

(Valencia, Mai 2008)

Montag, 8. Dezember 2008

In der Zwischenzeit


Ich führe meinen Vogel spazieren, 
gehe schwanger mit mir selbst
reiße die Schutzhüllen ein
Schicht für Schicht

Ich mache Gold zu Dreck
Dreck zu Holz;

der ehrlichste Stoff
aus dem 
ein Tisch, ein Stuhl
sein kann.

Sonntag, 7. Dezember 2008

A collection of winter haiku

Erster Dezember
steif gefroren und schneeweiß
die Wäsche im Hof

dreh dich noch mal rum
der erste der heut erwacht
muss kohlen holen

ein warmes Versteck
hinterm Ofenholzstapel
Katze an Katze

vor meiner Hütte
eine verwitterte Bank
und warme Decken

ein nasser schneeball
so traf dein tiefer blick mich
ganz unerwartet

weiß weiß weiß weiß weiß
für Schneemann und Rennschlitten
Wolkenversprechen

Der Duft des Winters
in einer Papiertüte
Heiße Maronen

Jeder Atemzug
spricht vom eiskalten Morgen
in Nebelwölkchen

Ein Licht im Dunkel
Auf der Spitze der Tanne
die weiße Mütze

ein leichter Windstoß
beim Öffen der Tür zittern
die Kerzenflammen

gedämpfte Töne
die ganze Welt eingehüllt
in Schnee und Stille

Ein Dämmerstündchen
Geschichten und Bratäpfel
in Omas Küche

Mühsam hinauf zieht
die alte Frau den Schlitten
mit ihrem Christbaum

He, guten Morgen!
wer braucht schon einen Wecker
am Nikolaustag?

Weihnachtsferien
es riecht nach nassen Jacken
im stillen Schulhaus

in allen Fenstern
leuchten zur Dämmerstunde
die Weihnachtsbäume

Die Uhr tickt langsam
fast scheint sie still zu stehen
am Weihnachtsmorgen.

Großmutter lächelt
Ihr habt ja im Weihnachtsbaum
noch echte Kerzen

Dienstag, 21. Oktober 2008

im Herbst

die roten Blätter
tanzen wie Flocken im Wind
so verweht der Herbst.

in einer Pfütze
ein Handschuh, rot, aus Wolle
wer ihn wohl vermisst?

Ende Oktober
Reif auf dem Hinterhausdach
der erste Nachtfrost